Organisation zur Umwandlung des Kinos

Andrej Tarkowskij - Stalker

24.6.2004 Kino im Künstlerhaus

Titel: Stalker Originaltitel: Stalker Regisseur: Andrej Tarkowskij Land: UdSSR Jahr: 1979 Länge: 163 Minuten Sprachfassung: deutsch Untertitel: deutsch

Der Stalker (Pirschgänger) führt einen Professor und einen Schriftsteller, namenlose Typen ihrer Profession, in einen menschenleeren Sperrbezirk, die Zone genannt. Stalker hat den Weg in die Zone von einem Meister gelernt und führt unter Wahrung ritueller Vorsicht und respektvoller Annäherung, Sehnsüchtige in einen magischen Raum, in dem durch meditative Versenkung die geheimsten Wünsche Aussicht auf Erfüllung haben. Der Stalker ist eine Art religiöser Mittler einer Initiationsreise. Schließlich stehen sie nach großen Gefahren in der Vorhalle des "Zimmers". Aber werden sie das Glück finden, selbst wenn ihre Wünsche in Erfüllung gehen?

Die Expedition wird zur Reise in die Innenwelt der Protagonisten und zum Panorama einer gottverlassenen europäischen Zivilisation. Sieben Jahre nach Beendigung der Dreharbeiten in der Nähe von Tschernobyl wird Tarkowskijs Endzeit zur Jetztzeit.

"Es gibt Filme, die tatsächlich ein Ereignis sind. Stalker, dieser in Form und Erzählstiel so schlichte, gleichzeitig äußerst komplexe Diskurs über die condition humaine, ist ein Ereignis. Er ruft auf zur Auseinandersetzung mit Fragen betreffend Existenz und Zukunft des Menschen. Von einem Jahrhundertfilm wurde im Zusammenhang von Stalker gesprochen - für einmal ist man geneigt, den Superlativ zu akzeptieren." Neue Züricher Zeitung

Ein subjektives Empfinden von verlangsamter Bewegung, von Schönheit und Anmut ist in höheren Bewusstseinszuständen häufig zu verzeichnen; die Zeit scheint stillzustehen, sie läuft wie in Zeitlupe ab, wie schwebend in Zeit und Raum, obwohl nichts gleich bleibend und an einem festen Ort ist; ständig in Fluss entwickelt sie sich in einem vollkommen koordinierten Tanz der Evolution, alles ist lebendig und strahlend (R. Hawkins).

 

 

"Uns alle charakterisiert heute ein geradezu unglaublicher Egoismus. Doch nicht etwa hierin liegt die Freiheit. Sie bedeutet vielmehr, dass wir endlich lernen müssen, nichts vom Leben oder unseren Mitmenschen, sondern nur von uns selbst etwas zu fordern. Freiheit - das ist das Bringen von Opfern im Namen der Liebe... Mir kommt es so vor, als hätte der moderne Mensch in seinem Kampf für sicher recht wichtige politische Freiheiten jene Freiheit vergessen, über die die Menschen aller Zeiten verfügten - die Freiheit nämlich, sich selbst ihrer Zeit und Gesellschaft zum Opfer zu bringen. In meinen bisher realisierten Filmen wollte ich stets von Menschen erzählen, die sich trotz der Tatsache, dass sie von ihren Mitmenschen abhängig, also unfrei waren, ihre innere Freiheit zu bewahren wussten. Ich zeigte scheinbar schwache Menschen. Doch ich sprach auch von der Kraft dieser Schwachheit, die aus deren moralischer Überzeugung und Position erwächst. Stalker ist ein scheinbar schwacher Mensch. Doch gerade ihn macht sein Glauben und sein Wunsch, anderen Menschen zu dienen, unbesiegbar. Künstler üben ihren Beruf schließlich ebenfalls nicht aus, um irgend jemanden irgend etwas zu erzählen. Sie wollen den Menschen damit vielmehr demonstrieren, dass sie ihnen dienen wollen. Ich bin jedes mal überrascht, wenn Künstler die Meinung vertreten, dass sie sich in Freiheit selbst erschaffen. Denn der Künstler sollte doch unbedingt begreifen, dass er ein Geschöpf seiner Zeit und der Menschen ist, in deren Mitte er lebt." Tarkowskij, Die versiegelte Zeit

Russian art film (1979) - youtube