Organisation zur Umwandlung des Kinos

Filme

 

Bericht anlässlich der Uraufführung von "Morgenröte im Aufgang" am 15.5.15

Kennen Sie Jacob Böhme?

Den "ersten deutschen Philosophen" nannte Hegel den Görlitzer Jacob Böhme. In seiner Heimatstadt feierte nun ein Film über den vielen noch unbekannten Mystiker Premiere.

(Bericht vom 18.5.15)

 

 

 

Freitag, 19. Oktober 2012 um 23.50 Uhr (ARTE)

Zoom - Analoge Effekte im Film „Sektor16" erzählt uns vom Geistigen im Film und der Verantwortung der Filmemacher für die eigenen Bilder. Die Vereinigung zeigt uns, wie analoge Effekte entstehen - bereits bei der Aufnahme oder danach im Labor.

 

 

Sector16 gehört zu den Gründervätern der Filmlab-Bewegung in Deutschland. Vor zwanzig Jahren von Studenten der HdK (Hochschule der Künste) Braunschweig gegründet, hat die Vereinigung sich mittlerweile einen philosophischen Überbau geschaffen, der das „Geistige (Spirituelle) im Film" und die Verantwortung des Filmemachers gegenüber dem Zuschauer betont. Analoge Effekte können bereits bei der Aufnahme in der Kamera entstehen, später bei der Entwicklung oder direkt auf dem fertigen Bildstreifen. Wir zeigen einige Möglichkeiten und unterhalten uns mit sektor16 über das Material Film und dessen Besonderheiten.Sector16, vor zwanzig Jahren von Studenten der HdK (Hochschule der Künste) Braunschweig gegründet, gehört zu den Gründervätern der Filmlab-Bewegung in Deutschland. Die mittlerweile zweite Generation hat sich den Namenszusatz „Organisation zur Umformung des Kinos" gegeben. Es geht jetzt, undogmatisch, auch um das „Geistige im Film" und die Verantwortung des Filmemachers gegenüber dem Zuschauer. Der Kunstfilm experimentiert hier mit dem Filmmaterial, sowie dessen Beschaffenheit und Struktur, um beim Betrachter spirituelle Kräfte und Geist-entwickelnde Zustände zu erzeugen. Auch hier gilt die Regel der Offenheit, für die die Bewegung seit Anbeginn steht. Jeder kann hier seinen Film realisieren, in Eigeninitiative und mit begleitender Hilfestellung in der Entstehungsphase. Wir zeigen verschiedene Möglichkeiten der Analogen Effekte. Sie können bereits während der Aufnahme in der Kamera entstehen, danach bei der Entwicklung, oder erst später, direkt auf dem fertigen Bildstreifen. Begriffe wie Flicker-Effekt, Runzelkorn und andere werden kurz erklärt und dargestellt. Auch werden wir auf den Unterschied zwischen analogen und digitalen Effekten eingehen und zeigen, dass Video und Film zwar verschieden sind, aber auch gemeinsam funktionieren können.


 

Die an der rechten Seite aufgeführten Filme, die wir im Rahmen der Filmreihe "Film und Bewußtsein" und dem "Kolloquium für GEISTbewegenden Film" im Kino im Künstlerhaus und im Sprengel-Kino, sowie an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig von 2000-2008 als für uns besonders inspirierende Filmbeispiele gezeigt haben. Sie dienten uns gleichzeitig als Anschauungs- und Studienmaterial für unsere eigene kollektive Filmarbeit und unsere individuelle Weiterentwicklung. Ebenso war es für uns von wichtiger Bedeutung, diese Werke einem Kinopublikum nahe bringen zu können.

Dieser dauernde Exkurs begleitete uns fortwährend während unserer eigenen künstlerischen Arbeit und hat sicher Spuren in unseren eigenen Film hinterlassen.

Am 22./23. Juni 2012 wurde nach vielen Jahren kollektiver Arbeit die Uraufführung unseres Filmes GEISTZEIT durchgeführt. In der kommenden Zeit wollen wir auch diesen Film einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen.

 

Gruppenfoto zur Premiere von "Geistzeit" im Sprengel-Kino im Jahr 2012

 

Unsere erste, gemeinsame Aktivität als Gruppe noch an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig war 2001 die Wiederveröffentlichung der Kultur- und Literaturzeitschrift "TRANS ATLANTIK" (1980-1991), die auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt und deutschlandweit vertrieben wurde. "Ein Remake durch Studierende an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig anlässlich der Frankfurter Buchmesse scheiterte offiziell an den ungeklärten Titelrechten (Wikipedia).

 

Wiederauferstehungs-Gala der Literaturzeitschrift Trans Atlantik aus dem Oktober 2001

 

Zu Beginn unserer darauf folgenden filmischen Arbeit beschäftigten wir uns mit den in der Bewußtseinsliteratur in Fülle vorkommenden alternativen achtgliedrigen Bewußtseinsvorstellungen (Gurdjeff, Lilly, Wilber, Maslow, um nur einige zu nennen), letztlich sollte eine eigene Struktur aus diesen Systemen gefunden werden, die bei der Umsetzung zu unserem Film dienlich sein sollte. Von Bedeutung war, dass der Film diese Ebenen nicht nur inhaltlich transportieren soll, sondern die einzelnen Schichtungen im Betrachter jeweils aktivieren sollte, also zu den entsprechenden Gehirnarealen eine direkte Kommunikation aufbauen sollte. Desweiteren sollte der Film weniger vertikal (in Geschichtsform) als horizontal zu erkunden sein, also von dem Wechsel ansteigender Stimmungen und Daseinsformen leben. Eine Struktur von Bewußtseinszuständen, einer Verdichtung der geistigen Verfassung, eines Gefühls oder einer Situation.

Ausgehend von diesen theoretischen, fast wissenschaftlichen Überlegungen entwickelten wir erste Skizzen. Das Kollektiv trat ähnlich einer improvisisierenden Jazzband in Aktion, indem wir gemeinsam Räume aufsuchten und dort ohne Drehbuch agierten. Rekapitulierend ist es spannend, welche Ideen sich ohne anfangs feste Vorstellungen ergaben, was da so aus uns heraus kam. Ausgehend von diesen ersten Motiven entwickelten wir später zunehmend eine Dramaturgie, begannen Drehbuchszenen zu schreiben, erstellten Plansequenzen ohne die improvisierende Ausrichtung über Bort zu werfen. Am Drehort entwickelten sich immer wieder spontane Gedanken, die sozusagen transpresonal eingebracht wurden. An der Arbeit sind etwa 30 Filmemacher/innen beteiligt. Über das Produkt dieses Filmes hinaus war die ausdauernde Beschäftigung mit dem Themenspektrum "Film und Bewußtsein" für uns sehr wertvoll, sowohl für die charakterliche Bildung als auch für die filmische Weiterentwicklung, nicht zu vergessen die sozialen Bindungen, die aus unserer gemeinsamen Arbeit erwuchsen und natürlich die wertvollen, wunderbaren Menschen, die wir durch unsere Arbeit kennenlernen konnten.

GEISTZEIT, ein Film der das Medium Film selbst zum Thema hat, wurde von Filmemachern jenseits der Filmindustrie verwirklicht. Drei Darsteller als drei Teile einer Persönnlichkeitsstruktur, in Erscheinung von Kind, Erwachsenem und Weisem begeben sich auf eine Reise der Selbstwandlung durch mehrere Ebenen des Traumes. Die Projektion des Films spiegelt gleichsam Wahrnehmungsgewohnheiten wie innere Bewußtwerdung als individuelle Seherfahrung. Fahrten durch zerstörte und natürliche Landschaften bis hin zu Flickersequenzen zeichnen hierbei Seelenzustände als Bilder fragiler Schönheit. Alles in allem ist es eine meditative Seherfahrung, den Geist zu erhellen.

GEISTZEIT stellt eine Art Aufbruch dar, unser Kräfte zukünftig für den GEISTbewegenden Film einzusetzen und arbeitet insbesondere mit sprechenden Bildern. Im Gegensatz dazu liegt in MORGENRÖTE IM AUFGANG das Augenmerk auf der Sprache.

Der Görlitzer Mystiker und Visionär Jacob Böhme ist die unbekannteste, geheimnisvollste und zugleich einflussreichste Gestalt der deutschen Geistesgeschichte.

Sein mehrtausendseitiges philosophisches Werk, ohne das die deutsche idealistische Philosophie undenkbar wären, ist die Ausformulierung eines radikalen Christentums und der Entwurf einer reichen, bis heute in ihrer Tiefe nicht ausgeloteten Kosmologie, Anthropologie und Naturphilosophie.

Der Film bringt diesen bedeutenden Mann einem heutigen Publikum nahe und beleuchtet damit wesentliche geistige Fragen unserer Zeit.

MORGENRÖTE IM AUFGANG ist kein biographischer Dokumentarfilm mit Zeitkolorit, sondern ein Spielfilm, in dem Jacob Böhme, von einem Darsteller ikonographisch als "Der schreibende Mann" verköpert, in seinen eigenen Worten zu uns spricht.

Alle Texte des Films gehen zurück auf die 1730 veröffentlichte Gesamtausgabe der Schriften Jacob Böhmes.

MORGENRÖTE IM AUFGANG entstand in Zusammenarbeit des Berliner NOOTHEATERs und der ORGANISATION ZUR UMWANDLUNG DES KINOS aus Hannover.