Organisation zur Umwandlung des Kinos

Jean Cocteau Le Sang d'un poète

15. 5.2000 Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

24.11.2004 Kino im Künstlerhaus

Aus dem Surrealismus hervorgehend, ohne als surrealistisches Werk bezeichnet werden zu können, adaptierte sich Cocteau eine eigene Form, die ihm geeignet schien, die schwer zu vereinigenden Ausdrucksmittel Film und Poesie zu kombinieren. Cocteau gelingt es, eine Welt hinter der realen Welt darzustellen, die irreal und mystisch ist. Gerade zur Gestaltung dieser den Dingen innewohnende Dimension, gebraucht er die Mittel des Films, die es etwa ermöglichen, dass Personen durch Spiel hindurchschreiten können, um in die Jenseitszone zu gelangen. Ebenso gebraucht Cocteau phantastische Kombinationen unvereinbarer Ereignisse in Raum und Zeit und, als glanzvolle Metapher: die Sprengung eines großen Fabrikkamins zu Beginn des Films, die mittendrin durch die Handlung des Films unterbrochen wird und sich erst am Ende mit dem völligen Zusammenbruch vollzieht. Cocteau nennt das "einen Realismus des Irrealen, das heißt, den sichtbaren Beweis, dass dieses Irreale an sich existiert" und sieht diesen Film als "eine realistische Dokumentation irrealer Erreignisse".

"Man müßte Exspiration sagen und nicht Inspiration. Aus unserer Nacht kommen die Dinge. Unser Werk präexistiert in uns. Das Problem besteht darin, es zu entdecken (invenire). Wir sind nur seine Archäologen." (Cocteau)