Organisation zur Umwandlung des Kinos

Kommentar zu KINO, Kultur und Kunst

Ronald Steckel, Gast unseres Kolloquiums hat den Text folgendermaßen kommentiert:

"Das Desaster, das er vorausgesehen hat, ist ja in den letzten 80 Jahren mit brutaler Wucht eingetreten (wenn man bedenkt: der Text stammt aus den 20er Jahren!): Völlige Deformation/ Verzerrung/ Realitätsferne menschlicher Phantasietätigkeit durch die geldgierigen Machenschaften der Filmindustrie und die Macht derelektronischen Medienwelt... also die Seuche hat den "Volkskörper" - wenn man diesen durch die Nazis kontaminierten Begriff verwenden will - bereits zerfressen, und es ist kein Innehalten abzusehen!

Und jetzt ist es ganz und gar Sache der Einzelnen, ob sie sich aus diesen unwirklichen Welten,von denen sie täglich berannt werden, befreien oder nicht befreien... Überhaupt scheint ja das wirklich Neue an unserer Situation zu sein, dass die Einzelnen mehr als je zuvor auf sich selber gestellt sind - keine Glaubensgemeinschaft, keine Ideologie steuert oder lenkt oder schützt die Bewegungen der Einzelseelen im Sinne einer wirklichen "Befreiung".

D.h. die Filmkunst, die zur Erhebung des Menschlichen hätte beitragen können, ist - im obigen Sinne - zu einem Hauptgegner des Menschen geworden und wird nicht einmal als solcher erkannt."