Organisation zur Umwandlung des Kinos

Künstler und Zuschauer

Das Leben der sogenannten Kunstschaffenden scheint in einem Teufelskreis zwischen materieller Existenz und Anerkennung zu zirkulieren, stets in der Versuchung, ihre Werke einem Massengeschmack tauglich zu machen. Dies führte zu einer Etablierung einer Kunst, die aus Spielereien, Rätsel und Geheimniskrämerei besteht, in dessen Zentrum der egozentrische Künstler steht, der in materieller Hinsicht von der Dummheit, Eitelkeit und Dekadenz seiner Zeitgenossen profitiert. Diese Scheinkünstler dienen dann wiederum als Vorbilder weiterer potentieller Künstler. Dieser Prozess wird von Politik und Wirtschaft gesteuert, die eine Kunst fördern, die ihren Interessen und Motiven entspricht. Die Kunst im großen Sinne des Wortes wurde dabei verkauft, sie ist aus dem Blickfeld und in Vergessenheit geraten. Wie von einer riesigen Propagandaabteilung wurde das große Wort Kunst massenhaft diskreditiert, so dass der Zugang zu Hinweisen und Spuren ihres Ursprungs weitgehend entstellt wurde. Sowohl der Rezipient, als auch der von der Gesellschaft als Künstler bezeichnete verspüren nicht mehr die eigentliche Faszination und das Wunder, das der Kunst innewohnte. Letztlich umgeben wir uns dann mit einer Pseudokunst, was zu einer zunehmenden Verflachung der Kultur führt. Dabei wird der Mensch von seinem eigentlich in die Wiege gelegtem Grundbedürfnis nach Kunst abgeschnitten, obwohl dieser sich vielleicht sogar ständig mit als Kunst bezeichneten Surrogaten umgibt.

Einstmals wurden als Künstler die wenigen bezeichnet, die es wirklich vermochten, mit künstlerischen Mitteln, wesentliche geistige Werte von ihrer zur der ihnen folgenden Generationen zu transformieren. Die Hauptfrage besteht darin, ob es erneut gelingt, „die in jedem Menschen verborgene geistige Quelle für das irdische Wohl nutzbar zu machen." Um diesem Ansatz Ausdruck zu verleihen, halten wir es für sinnvoll, sich besonders an die Jugend zu wenden, sie frühzeitig auf die Existenz wirklicher Kunst hinzuweisen, um an dieser die Empfindungskraft für Kunst zu wecken und fördern. Dies kann aber nur Hand in Hand mit den Personen der älteren Generation funktionieren, denen dieses Wissen, Allgemeingut ist.

Es ist wichtig, dass das Publikum mit wirklicher Kunst vetraut wird, damit es wieder Zugang für das Potential der Wahrhaftigkeit von Kunst findet. Es ist entscheidend, ob der Rezipient zwischen so genannter und wirklicher Kunst zu unterscheiden weiß. Der Versuch, ihm vermeintlich absolute Maßstäbe für Kunst- und Nichtkunst wäre verfehlt, er muss dies in seinem Inneren erspüren lernen können.

Gelingt ihm dies aus mangelnder Einfühlung nicht, wird er sich aus dem daraus resultierenden Desinteresse von der Kunst abwenden und nimmt schaden an seiner Seele. Aber der Künstler ist auf ein empfindungsfähiges Publikum angewiesen, ohne diese bleiben seine Werke unerkannt und können der Kultur keine Impulse verleihen.

Im Idealfall einer intakten Künstler-Publikum Beziehung, deren Verbindung durch eine gemeinsame Sprache getragen wird und einen lebendigen Organismus bildet, wären Gedanken über die Vermittlung hinfällig. Film ist das Medium mit der größten Verbreitung und dem höchsten Wirkungsgrad. Gleichzeitig ist Film wie kein anderes Medium fähig, Geist sichtbar zu machen.

Es herrscht sicherlich kein Mangel an den technischen Möglichkeiten, sondern es scheint, als fehlten die Voraussetzungen und die emotionale Kraft. Denn das Kino hätte das große Potential, ein Ort zu sein, an dem in unserem Leben dem Heiligen wieder Raum gegeben wird. Dabei wäre es erst einmal wichtig, die wenigen künstlerischen Filme, die dem Menschen Erhebung, Trost und Stärkung geben, allgemein zugänglich zu machen. So würde sich dem Zuschauer zumindest eine Alternative zu den auf das Massenpublikum zugeschnitten Filmen bieten.

In der Praxis des Filmvereines stellte sich heraus, dass "wertvolle" Filme nur sehr schwer oder gar nicht zugänglich sind. Die Filme, auf die dann glücklicherweise doch ein Zugriff erfolgen konnte, waren oft nur in gekürzter Fassung oder überaltertem Kopienzustand erhältlich. Wäre ein Zugang zu diesen Filmen ebenso leicht, wie es beim Unterhaltungsfilm möglich ist, könnte sich der Geschmack des Rezipienten bilden und ab einem bestimmten Punkt Druck auf die Kinoindustrie entstehen, die bestehenden Konzepte und Ausrichtung zu überdenken.

Es wäre ebenso zu wünschen, dass Filmkünstler bessere Produktionsbedingungen erhalten und ihre Filme nicht nur unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten beurteilt werden würden. Dies kann jedoch nur in dem Maße geschehen, wie das Publikum bereit ist, diesen Werken ein gewisses Maß entgegenzukommen. Insgesamt steht die Bündelung all der Kräfte im Vordergrund, die an einer Umwandlung des Kinos interessiert sind. Es geht um eine Wiederbelebung unserer Innenwelten.