Organisation zur Umwandlung des Kinos

Luis Buñuel und Salvador Dali - Ein andalusischer Hund

24.11.2004 Kino im Künstlerhaus

Titel: Ein andalusischer Hund Originaltitel: Un Chien Andalou Regisseur: Luis Buñuel Land: Frankreich Jahr: 1928 Länge: 18 Minuten stumm

"Formal hervorragender Experimental-Stummfilm der surrealistischen Avantgarde, den der damals 28jährige Buñuel gemeinsam mit dem Maler Dalì inszenierte. Am Anfang steht eine der berühmtesten Schocksequenzen der Filmgeschichte: Eine Wolke bewegt sich auf den Vollmond zu, ein Rasiermesser schneidet durch das Auge einer jungen Frau. Später sieht man eine von Ameisen wimmelnde Menschenhand, Priesterseminaristen, die an Glockenseilen baumeln, und den Kadaver eines Esels, der aus einem Pianoflügel quillt. Einige Szenen sind bewußt als anarchische Provokation gedacht, andere lassen sich als poetische Metaphern deuten - insgesamt attackieren die vieldeutigen Bilder nachhaltig die herkömmlichen Vorstellungen von Ratio und Normalität. An deren Stelle tritt die Logik des Traums, die auflösende Kraft der Fantasie.

Der gleitende Übergang zwischen äußerer Realität und Bewußtseinswirklichkeit und der respektlose Blick auf die Werte der bürgerlichen Kultur finden sich in den meisten späteren Werken Buñuels wieder." (Lexikon des internationalen Films)

Surrealistische Collage um eine nicht realisierbare Liebesbeziehung, bei der Buñuel eine assoziative, dem Traum abgeschaute Montage verwendet, die Dinge aus ihrer gewohnten Umgebung reißt und sie in neue, teilweise provokante Zusammenhänge bringt. Dieser legendäre Experimentalstummfilm der französischen Avantgarde ist heute in erster Linie das Dokument einer historischen Revolte gegen die bürgerliche Kunst und damit gegen die Wirklichkeit, die diese Kunst meint.

" Als UN CHIEN ANDALOU zum ersten Mal vorgeführt wurde, hatte ich mich darauf vorbereitet, die Wut des Publikums über mich ergehen lassen zu müssen. Ich füllte meine Taschen mit Steinen, für den Fall, daß... Ich stand hinter der Leinwand und bediente das Grammophon. Ich legte die Passage aus Tristan und Isolde auf, dann einen argentinischen Tango, Tristan und Isolde und Tango, Tristan und Tango... Die ungeheure Begeisterung, die UN CHIEN ANDALOU hervorrief, ließ mich völlig verdutzt zurück. Am Ende des Films erhoben sie sich und klatschten Beifall; die Steine wogen schwer in meinen Taschen... Ich war perplex, aber im Grunde zufrieden..." (Luis Buñuel)